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Liebe und andere Reisen

Liebe und andere Reisen. Gedichte.
Mit einem Vorwort von Kurt Marti, Bern.
Erscheint im September 2007
ca. 112 Seiten, geb. mit Schutzumschlag
ca. € [D] 16,– / [A] 16,50 / sfr 28,–

ISBN 978-3-940086-06-8

»Das ist, bei aller Genauigkeit im Detail, Poesie mit großem Atem und weitem Horizont. Wunderbar!« Kurt Marti

Dass die Liebe das Wandern, das Reisen liebt, steht schon in der »Winterreise«. Eva Christina Zeller aber trotzt dem alten Thema in ihren Gedichten das immer wieder Neue ab: charmant und sinnlich, manchmal wild und gefährlich, wie die Liebe und das Reisen nun einmal sind.

»Eva Christina Zellers Gedichte: eine Lyrik, die abseits aller Trends, überzeugend in sich selber ruht.«
Jan Wagner

»Bei ihr herrschen Subtilität und Präzision, Tastgespür und Erfahrung. Und was wohltut: ihre Gedichte
sind nicht nur auf sich selbst konzentriert, sondern von leiser Ironie durchzogen.«
Armin Strohmeyr, Saarländischer Rundfunk

»Ich wünsche mir Stunden, in denen zwei Schauspielerinnen, im Wechsel-Gespräch, Verse von Ingeborg Bachmann und Eva Christina Zeller zitieren. Nähe und Ferne, mit den Mitteln zeitaufhebender Kunst aufeinander bezogen. Dialektik eines strengen Spiels: man mache die Probe. Eva Christina Zeller wird sie bestehen.«
Walter Jens

umarmung

nachts deine arme
spüren im erwachen
erinnere mich dass es dich gibt
könnte auch ein engel sein
oder eine mutter
eine erinnerung an etwas
was es vielleicht nie gab
nur der abdruck in mir
des ersten wunsches der menschen
im mutterleib und in den höhlen
als sie pferde wisente mammuts malten
ihre hände hinterließen
bunt für alle zeiten

 

alltägliche fragen

dass wir alle aus dem wasser kommen
und wasser sind
und wieder wasser werden
oder nur darüber verstreut?
asche in dinkelbrot
letzter proviant?
dass wir staub sind
sternenstaub und daher kommen
und wieder werden wollen
verbrannt und ausgestreut aus einem heißluftballon
dass wir staub wischen
und selber sind?
sind teil des ganzen
warum hören wir dann das lied des kuckucks
und zählen mit ihm?
woher weiß er, der in fremden nestern wuchs
wer seine brüder sind?
mit wem er schnäbeln wird
alles staub, wasser, DNA?
der kuckuck ruft
nach seinesgleichen
die er nicht kennt
also kehren wir doch nicht zurück
ins paradies
sind auf sehnsucht gepeilt
auf kuckucksruf
und länder der sterne
dorthin wo wir nicht sind
noch darüber wissen
ins offene all

 

spätsommer in käsmu 3

findlinge darf man nicht verrücken
vor dem stürmischgrauen meer
verschenkt aarne duftende äpfel
das meer spielt die wandererphantasie
auf dem flügel eines russischen komponisten
der hier gestrandet vor langer zeit
findlinge darf man nicht verrücken
wir warten auf schiffe wie die witwen
auf den kapitän ihres herzens
der spielt schubert und sieht nicht das meer das leise kläfft
hinter ihm auf einem bild das aarne jeden tag malt
immer von seinem fenster das gleiche meer
das nie gleich ist warte auf meinen kapitän dort draußen
fuhr er vor langer zeit fort in einem anderen leben
von zeit und die findlinge sprechen:
man darf nicht daran rücken